Jobs in England - Arbeiten in Großbritannien

Erfahrungsberichte/ Praktikum als Raum- und Formgestalter

Erfahrungsbericht: Praktikum als Raum- und Formgestalter vom 26.09.05-26.03.06


Wer ich bin und wie ich dazu kam

Ich heiße Steffen Jäger, bin 27 Jahre jung und bin in Gerstetten auf der schönen Schwäbischen Alb (Kreis Heidenheim) aufgewachsen.

Steffen Jäger

Die beruflichen Hintergründe für das Praktikum im Planungsstudio einer modernen Londoner Schreinerei sind meine hervorragende Lehre und meine mehrjährige Tätigkeit als Schreinergeselle im Möbel- und Innenausbau. Danach folgte die Weiterqualifizierung zum Schreinermeister an der HwK für Schwaben, sowie das erfolgreiche Studium zum staatlich geprüften Raum- und Formgestalter an der Fachakademie für Holzgestaltung in Cham (Oberpfalz).

Ich hatte schon immer großes Interesse daran einmal in einem fremden Land zu arbeiten und zu leben, eine andere Lebens- und Arbeitsmentalität kennen zu lernen. Um mein spärliches Schulenglisch zu verbessern, fiel meine Entscheidung dabei auf ein englischsprachiges Land.

Towerbridge London

Die großartige Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Praktikumsplatzes, sowie bei der gesamten Vorbereitung meines Praktikums durch Iris Bertz, Nadine Capdevila - Straub und natürlich nicht zuletzt durch die gewährten finanziellen Mittel des Baden - Württemberg Stipendiums waren die entscheidenden Faktoren für die Erfüllung dieses lang gehegten Traums. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Ihnen für dieses große Engagement bedanken.

Vom Lernen und Leben mit der englischen Sprache

Vor der Sprachschule in London

Als ich am 26. September morgens in London ankam, führte mich mein erster Weg mit der Tube, der London - Undergound, nach Clapham Common zu ELT, meiner Englischschule für die nächsten sechs Monate. Nachdem ich mich dort vorgestellt und den nötigen Papierkram erledigt hatte, durfte ich gleich einen Einstufungstest absolvieren. So dass ich schon am nächsten Tag mit dem für mich geeigneten Kurs beginnen konnte. Der Kurs beinhaltete vier Wochenstunden und fand jeweils dienstags und donnerstags von 12-14 Uhr statt. Zu Beginn belegte ich den Kurs im intermediate level, zum Jahreswechsel hatte sich dann mein Englisch so weit entwickelt, dass ich am upper - intermediate Level teilnehmen konnte. Allerdings sah ich den Besuch des Englischkurses nur als kleine Ergänzung zum "täglichen Lernen" während der Arbeit und Freizeit. Learning by doing ist eben immer noch der einfachste Weg sich etwas anzueignen. Wohnen in London Außerdem war es für mich persönlich oft äußerst schwierig dem Unterricht zu folgen, da mein Kopf so manches Mal ziemlich voll war mit geschäftlichen Dingen und da hatte eben die zum Teil trockene englische Grammatik wenig Platz. Wenn auch, im Gegensatz zu unseren sturen deutschen Unterrichtsformen, die Kursgestaltung sehr abwechslungsreich war. Das Wichtigste, was ich über die Sprache gelernt habe ist, dass es nicht wichtig ist, sie perfekt zu können.

In einer Weltmetropole über den eigenen Tellerrand schauen

St.Pauls Cathedral in London

Für mich als "Landei" war die Weltstadt London eine aufregende Erfahrung. Nicht nur die vielen Sehenswürdigkeiten und die interessanten Bauwerke machen diese Stadt aus, sondern vor allem die insgesamt über 12.000.000 Einwohner mit ihren unterschiedlichen kulturellen Wurzeln geben der Stadt ein ganz besonderes Flair.

Speziell die Viertel, die nicht direkt im Zentrum liegen, haben mich fasziniert. Unzählige kleine Highstreet Läden und Märkte, mit vielfältigen Warenangeboten aus aller Welt schlängeln sich dort von Stadtteil zu Stadtteil und lassen einen manchmal glauben, dass man auf einem anderen Kontinent ist. Nur die roten Londonbusse und die Backsteinhäuser erinnern dann noch, dass man nicht irgendwo in Indien, China oder sonst wo auf der Welt ist. Es ist deshalb auch kaum möglich speziell etwas zur englischen Kultur zu sagen. Meine Gastfamilie kam zum Beispiel ursprünglich aus Irland, so dass ich auch nie in den Genuss der englischen Küche gekommen bin.

Weihnachten in London

Das Nachtleben hat mir natürlich auch sehr gut gefallen, allerdings ist es im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen schon sehr gewöhnungsbedürftig, wenn in vielen Pubs um 11Uhr abends das Licht angeht und die Leute regelrecht heraus gewimmelt werden. Aber es gibt ja dann noch mehr als genug Clubs und Discos, wo bis in die frühen Morgenstunden gefeiert und getanzt werden kann.

Von der Arbeit und einer anderen Mentalität

Praktikum in London

Mein Hauptarbeitsplatz war der Showroom, mit einem kleinen angeschlossenen Planungsstudio der Firma "Moss bespoke furniture and interiors" in Clapham Commen, nur einen Steinwurf von meiner Englischschule entfernt. Zum Kundenstamm des Betriebes zählten zumeist wohlhabende Kunden, mitunter waren auch berühmte Namen wie zum Beispiel Tina Turner dabei.

Die technische Ausarbeitung von Möbelentwürfen war in den ersten drei Monaten des Praktikums meine Hauptaufgabe. Eine neue wichtige Erfahrung war für mich die Zusammenarbeit mit namhaften auftraggebenden Architekturbüros. Wobei ich allerdings immer wieder bemerkt habe, dass diese auch nur mit Wasser kochen. Praktikum Raum- und Formgestaltung In der letzten Hälfte des Praktikums eignete ich mir ein für mich neues CAD- und Rendering Programm an. Mit diesem war es mir möglich, von mir selbst entworfene Möbel photorealistisch für die Kundenpräsentation darzustellen.

Als Fazit meiner Erlebnisse während des üblichen Arbeitsalltags lässt sich sagen, dass die Engländer an sich eine völlig andere Arbeitseinstellung haben als der "gemeine" Deutsche. Es wird Vieles lockerer und unverkrampfter gesehen und obwohl nur selten Stresssituationen aufkommen, reden alle ständig davon, dass sie so "busy" sind. Selbstdarstellung und Präsentation wird hier überall groß geschrieben.

Über das Stipendium und was es mir gebracht hat

Pub in London

Es kommt nicht oft vor im Leben, dass man etwas geschenkt bekommt, doch die Landesstiftung Baden-Württemberg macht hier mit dem Baden- Württemberg Stipendium eine große Ausnahme. Was ich an dieser Stelle besonders hervorheben möchte ist, dass diese Möglichkeit auch Berufstätigen angeboten wird. Allerdings sollte in diesem Bereich noch mehr Publicity gemacht werden, um viel mehr junge arbeitende Leute zu erreichen.

Obwohl London ein richtig teueres Pflaster ist, hat mein Stipendium ausgereicht, um gut über die Runden zu kommen und dabei all die Vielfältigkeit Londons zu erleben.

Ausflug nach Brighton

Zu diesem Zeitpunkt ist es mir noch nicht möglich einzuschätzen in wieweit mich das Stipendium beruflich weiter bringen wird. Ich kann nur sagen, dass mich diese Zeit nachhaltig positiv beeinflussen wird und sie mir die Arbeitssuche hier in Deutschland sehr erleichtert hat. Abschließend gibt es nur noch Eins zu sagen: Wer die Möglichkeit bekommt dieses Stipendium zu erhalten, sollte diese Chance auch nutzen, um damit unbezahlbare Erfahrungen fürs Leben zu gewinnen.

Von Steffen Jäger


Arbeiten in England: Jobs

England Jobs: Jobs in England · Arbeiten in Großbritannien · Impressum · Sitemap