Jobs in England - Arbeiten in Großbritannien

Erfahrungsberichte/ Praktikum als administrative Assistentin

Praktikumsbericht aus London

Andrea Zielke studiert seit Oktober 2004 an der Fachhochschule Magdeburg - Stendal Fachkommunikation mit dem Schwerpunkt Fachübersetzen in Englisch und Spanisch. Schon immer galt ihr Interesse den Sprachen: In der Schule belegte sie Englisch als Leistungskurs und nahm an einem USA - Schüleraustausch teil, bei dem sie drei Wochen Spracherfahrungen sammeln konnte. Als ihre Familie dann einen Monat lang eine Gastschülerin aus Ecuador aufnahm, kam bei ihr der Wunsch auf, auch Spanisch zu lernen. Das Studium in Magdeburg ermöglicht es ihr, ihren Sprachinteressen nachzugehen.

Von März bis Juli 2006 war Andrea im Rahmen ihres Studiums in London. Wir sprachen mit ihr über die Weltstadt London, ihren Aufenthalt in der Metropole und ihre gewonnen Eindrücke.

Praktikum in London

Warum hat es dich gerade nach London verschlagen?

Mein Studium schreibt zwei Semester im Ausland vor, um die erlernten Sprachen auch praktisch anzuwenden. Eines dieser Semester verbrachte ich in London. Ich wollte unbedingt nach London - eine andere Stadt kam für mich eigentlich gar nicht in Frage. Ich fand es auch sehr praktisch, dass London gute Flugverbindungen ins Ausland hat, so war es einfacher meine Familie in Deutschland zu besuchen oder selbst besucht zu werden.

Was hast du in London gemacht?

Ich habe dort den praktischen Teil meines Studiums absolviert und mir in London ein Praktikum gesucht. Ich arbeitete als administrative Assistentin in einer Firma, die Praktika für englische Schüler und ausländische Studenten vermittelt. Außerdem prüft diese Firma noch die Sicherheit der Unternehmen, in denen die Praktika gemacht werden sollen.

Ich habe vor allem in der Datenerfassung gearbeitet, bei Rechnungsausstellungen geholfen und war für das Telefon und die Post zuständig. In der Firma waren auch noch viele andere Praktikanten angestellt - aus Frankreich, Deutschland, Niederlande und Spanien. So habe ich schnell Anschluss gefunden - man war schließlich in der gleichen Situation. Da alle neu in der Stadt waren, konnten wir London gemeinsam entdecken.

Wie bist du auf die Praktikumsstelle aufmerksam geworden und hast du eine Vergütung bekommen?

Ich habe die Stelle im Internet gefunden. Es gibt mittlerweile viele Seiten, die sich auf Auslandspraktika konzentrieren. Bei meiner Recherche bin ich auf die Anzeige der Firma aufmerksam geworden und habe schnell meine Bewerbung losgeschickt. Ich habe auch sehr schnell einen Anruf bekommen, bei welchem wir einen Termin für ein Telefoninterview vereinbarten. Bereits während des Interviews haben sie mir gesagt, dass ich das Praktikum in ihrem Unternehmen machen könne. Es gibt zwar auch die Möglichkeit, sich von Organisationen eine Stelle suchen zu lassen, aber das kann man sich oft nicht leisten.

Von meinem Betrieb habe ich dann 70 Pfund in der Woche bekommen, was umgerechnet 105 Euro sind. Das hört sich vielleicht viel an - ist es aber in London nicht!

Arbeiten in London

Wie sah dein Alltag in London aus?

Ich arbeitete immer von 9 bis 17 Uhr. Da ich nach der Arbeit sehr müde war, bin ich nach Feierabend gleich nach Hause gefahren. Angekommen bin ich da leider immer erst eine Stunde später, da lange Fahrzeiten in London zum Alltag gehören.

Oft kam in der Firma auch der Vorschlag auf, dass man abends zusammen in ein Pub oder tagsüber in einen der vielen tollen Parks geht, um Sonne zu tanken. Manchmal sind wir auch donnerstags in Bars und Diskos unterwegs gewesen - da ist in London immer besonders viel los. An den Wochenenden, wenn ich keinen Besuch aus Deutschland hatte, zog ich mit den anderen Praktikanten durch das Londoner Nachtleben: Bars, Diskos oder Hauspartys.

Wohnungen in London sind ja bekanntlich teuer. Wo hast du gewohnt?

Ich habe in einer Wohngemeinschaft mit drei anderen Leuten gewohnt. In London gibt es viele WGs, da es sich kaum jemand leisten kann, alleine zu wohnen. Ich habe dort mit einem Ehepaar zusammengelebt, die nicht die finanziellen Mittel für eine eigene Wohnung haben und deshalb in einer Wohngemeinschaft leben. Mein Zimmer war zum Glück schon möbliert.

Leider habe ich in einem nicht so guten Stadtteil gewohnt - Hackney. Als ich dort einzogen bin, wusste ich nicht, dass es sich dabei um ein so schlimmes Viertel handelt.

Eigentlich ist es leicht eine Unterkunft in London zu finden. Ich kann im Internet zum Beispiel gumtree.com empfehlen, wo man freie Zimmer mieten und vermieten kann. Ich habe dort mehrere Angebote gefunden, es war allerdings sehr stressig durch ganz London zu fahren und alle anzugucken. Und billig war natürlich keines der Zimmer.

Praktikum in London

Wie hast du diesen Aufenthalt finanziert?

Wie gesagt, ich habe 70 Pfund pro Woche verdient - das hat allerdings nicht einmal gereicht, um die Miete - 73 Pfund pro Woche - zu bezahlen. Ich habe auf Sparrücklagen zurückgegriffen und zum Glück viel Unterstützung von meinen Eltern bekommen. So ein Aufenthalt ist wirklich schwer zu finanzieren. Bafög habe ich leider nicht bekommen, da ich bereits eine Unterstützung für mein erstes Auslandssemester bekommen hatte.

London ist eine Kulturmetropole mit vielen sehenswerten Dingen. Was hast du dir in London und Umgebung angeschaut?

In London habe ich mir natürlich alle wichtigen Sehenswürdigkeiten angesehen: Big Ben, Tower Bridge, Westminster Abbey, London Eye und viele mehr. Einmal waren wir bei einem Hunderennen, was sehr interessant war - solche Rennen sind ja in Deutschland eher unüblich. Ein Wochenende habe ich Brighton verbracht - eine Kommilitonin aus Magdeburg absolvierte da zum gleichen Zeitpunkt ein Praktikum.

Es war sehr interessant den englischen Alltag mit zu erleben. Zum Beispiel das Geschehen im Bus oder in der U - Bahn zu beobachten - jeder geht seinen eigenen Interessen nach: Lesen, Musik hören, Schminken, Schlafen und man unterhält sich in den unterschiedlichsten Sprachen. London ist eine schnelle und immer beschäftigte Stadt - busy eben. Es ist faszinierend das ganze Treiben zu beobachten.

Welche Erfahrungen hast du aus diesem Auslandsaufenthalt mitgenommen?

Auf jeden Fall sehr gutes Englisch. Sicherlich bin ich auch eigenständiger geworden. In London habe ich das erste Mal alleine gewohnt und mich alleine versorgt. Ich befinde es schwierig, sich in einer so großen Metropole zurechtzufinden. Im Bus wird zum Beispiel nicht jede Haltestelle angesagt. Man muss sich durchfragen und aufpassen, dass man auch in die richtige Richtung fährt und seinen Zielort erreicht.

Etwas schade fand ich, dass man es in London wenig mit "echten" Engländern zu tun hat. Ich habe viele Sprachen auf den Straßen gehört, aber selten war Englisch dabei. Außerdem habe ich ein bisschen die deutsche Ordnung und den hohen Standard vermisst. Unser Trinkwasser, die Flüsse und Seen sind sehr sauber - das ist in London nicht der Fall. Ich kann nur schwer erklären, was ich mit Ordnung meine. Beispielsweise das System für U - Bahn Tickets: Die Engländer haben da selbst noch nicht richtig den Dreh raus und so funktioniert ihr System auch oft nicht.

Praktikum in London

Könntest du dir vorstellen in London zu leben?

Ich habe mir mit meiner Schwester vorgenommen, dass wir noch einmal nach London fahren. Sie konnte mich leider nicht besuchen kommen. Aber leben - das will ich in London nicht. London ist zweifelsfrei eine interessante Stadt, die man gesehen und erlebt haben sollte, aber sie ist zu teuer und die Entfernungen von A nach B sind zu weit. Ich denke, ich werde noch oft in die Stadt zurückkommen, einfach um die neu gewonnenen Freunde zu besuchen.

Kannst du anderen London - Interessierten noch Tipps mit auf den Weg geben?

Man sollte wirklich bedenken, dass London eine der teuersten Städte der Welt ist. Hotels sind teuer, lieber sollte man sich in Pensionen einmieten oder in Jugendherbergen. Je mehr Leute, desto billiger. Ansonsten ist alles wahnsinnig interessant: Sehenswürdigkeiten, die Stadt an sich und vor allem die vielen verschiedenen Kulturen, die hier aufeinander treffen.

Vielen Dank für das Interview!


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