Sonja Strupp hatte nach ihrem Schulabschluss noch keine konkreten Vorstellungen von ihrem zukünftigen Bildungsweg und entschied sich daher für einen Auslandsaufenthalt in England. "Zu diesem Zeitpunkt war mir nur bewusst, dass ich ein großes Interesse an der englischen Sprache habe." Damals konnte sich Sonja als Ziel allerdings nur Großbritannien vorstellen - die Vereinigten Staaten, beispielsweise, waren für sie zu weit weg und auch zu teuer.
In Cichester (Südengland) angekommen, arbeitete sie zunächst als Aupair - eine gute Gelegenheit, das Land und das englische Familienleben kennen zu lernen. Mit Hilfe einer Organisation war schnell eine Gastfamilie gefunden, in der Sonja die Kinder beaufsichtigten und auch beschäftigten sollte. Während ihrer Aupair - Zeit besuchte Sonja nebenher eine Sprachschule: In der Chichester "School of English" vertiefte sie zwei bis drei mal wöchentlich ihre Englischkenntnisse mit dem Ziel, den Kurs mit dem "ersten Examen für Cambridge" abzuschließen, in dem ausländische Schüler in englischer Grammatik, Hörverstehen und Kommunikation geprüft wurden. "Nach einer Eingewöhnungszeit von drei bis vier Monaten beherrschte ich die Sprache dann richtig gut und fühlte mich sehr wohl in Südengland. Ich hatte viele neue Bekanntschaften geschlossen und auch viel vom Land gesehen."
Schon während ihrer Aupair - Zeit jobbte Sonja nebenher, um sich Taschengeld dazu zu verdienen. Sie hatte sich in einem englischen Jobcenter angemeldet
und bekam so die unterschiedlichsten Jobs vermittelt. Anfangs hatte sie aufgrund ihrer wenigen freien Zeit nur eine kleine Anstellung. Sie arbeitete als
Kellnerin auf einer Pferderennbahn.. "Die Arbeit dort hat mir großen Spaß gemacht. Ich konnte viele interessante Leute beobachten und sowohl spannende
Pferderennen, als auch schnelle Oldtimer sehen. Und der Verdienst war mit fünf Pfund pro Stunde auch gut."
Parallel zu dieser Anstellung - die Kinderbetreuung war gerade weniger zeitintensiv - bekam Sonja noch einen Job in einer Salatfabrik, in der sie zunächst
nur ein- bis zweimal die Woche tätig war. "In der Fabrik war es bitterkalt. Ich habe dort oft zwölf Stunden am Stück gearbeitet und am Fließband Salat
geschnitten. Dafür habe aber auch fünf Pfund in der Stunde bekommen."
Es gefiel Sonja schließlich so gut in England, dass sie gegen Ende ihrer einjährigen Aupair - Zeit ihren Aufenthalt verlängerte. "Ich war noch nicht bereit für ein Studium, fühlte mich ausgesprochen wohl im Süden der Insel und wollte die neu gewonnen Freundschaften nicht missen" Nachdem sie ihren Aupair - Job in der Gastfamilie beendet hatte, zog Sonja nach Portsmouth zu ihrem Freund, den sie während ihrer Arbeit in der Salatfabrik kennen gelernt hatte. "Ich wollte nicht nach Deutschland zuück ohne konkrete Zukunftspläne. Das Jobben und Leben in England fand ich gut - ich brauchte das einfach, um mich zu orientieren." Neben weiteren kleinen Jobs bei der Post oder in einem Kindergarten, nahm sie auch die Universitäten genauer unter die Lupe, stellte aber schnell fest, dass diese für sie aus finanziellen Gründen nicht in Frage kommen.
"England ist sehr teuer - besonders im Süden und rund um London" Sonja brauchte dringend einen festen Job, denn "das Arbeiten in der Salatfabrik und auf der Pferderennbahn waren eher unregelmäßig." Wie es der Zufall wollte, stieß sie nach wenigen Tagen auf einen Aushang bei "Pizza Hut": "Part Time" - Kräfte gesucht. Als sie ihr Interesse an dem Job bekannt gab, wurde sie gleich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. "Vor dem Bewerbungsinterview war ich natürlich aufgeregt. Es wurden nämlich neben einem allgemeinen Gespräch auch meine Mathematik- und Englischkenntnisse geprüft. Aber das Ganze war wirklich einfach und überhaupt nicht fies, wie manch einer sich das vielleicht vorstellt." Schon im Interview hat Sonja eine Zusage bekommen und musste auch prompt am nächsten Tag anfangen. "Die Arbeit bei Pizza Hut war super, ich hatte ständig Kontakt mit Touristen, wurde richtig eingearbeitet, bekam Unterricht in Hygienebestimmungen und wurde gut bezahlt."
So bestand ihr englischer Alltag für mehrere Monate aus dem Gastronomiejob, Freunden und abendlichen Unternehmungen. Doch nach knapp zwei Jahren wusste Sonja, dass es Zeit war, sich über eine berufliche Zukunft Gedanken zu machen. "Ich verspürte den Wunsch nach einer Ausbildung - etwas Bodenständiges." Sonja entschied sich dann für ein Studium an der Universität Göttingen, schrieb sich für Geografie ein und kam nach Deutschland zurück. Rückblickend empfindet sie diese "zwei Jahre in einem fernen Land" als eine sehr wertvolle Erfahrung. "Es war wichtig und sinnvoll, um mich orientieren zu können. Auch wenn Außenstehende denken, dass man doch in den zwei Jahren nur herumhängt und kostbare Zeit verschwendet, so ist es für die Selbstfindung, Selbstständigkeit und die Sprachinteressen eine optimale Gelegenheit."