In deutschen Privatpraxen und Krankenhäusern fehlen Ärzte - daran besteht schon lang kein Zweifel mehr. Auf der britischen Insel ist die Situation ähnlich; hier sucht man sogar bereits mit Personalvermittlern, den so genannten Headhuntern, nach Ärzten aus anderen europäischen Ländern. Die britische Ärztesituation ist schnell beschrieben: Im Durchschnitt muss ein Arzt aus Großbritannien doppelt so viele Patienten betreuen wie sein deutscher Kollege.
Die Lösung des Problems?
Britische Agenturen vermitteln zeitlich begrenzte Jobs für Mediziner aus
anderen europäischen Ländern - derzeit arbeiten bereits mehr als 3000
deutsche Ärzte als Locum-Doctor in Großbritannien.
Der Ärztemangel auf der Insel treibt die Gehälter in die Höhe.
Besonders großzügig werden Wochenend- und Nachtschichten vergütet. An einem
Wochenende ist es möglich, bis zu 3000 Euro zu verdienen. Kaum verwunderlich
also, dass es bereits normal ist, wenn sich deutsche Ärzte in Billigflieger
setzen und das Wochenende über in britischen Kliniken arbeiten oder die
Vertretung in Privatpraxen übernehmen.
Auf der britischen Insel gibt es nun schon mehr als hundert
Vermittlungsagenturen, die sich auf Locum-Mediziner spezialisiert haben. In
der Regel übernehmen interessierte Ärzte die Praxisvertretungen für ihre
englischen Kollegen; dabei ziehen sie an einem Wochenende nicht selten
von Praxis zu Praxis.
Zweifelsohne locken das hohe Gehalt, die Unabhängigkeit und der Wegfall der
Verwaltungsaufgaben. Doch es gibt auch Nachteile: Als Locum-Doctor
ist es schwer, ein vertrautes Arzt-Patienten-Verhältnis aufzubauen. Und auch
die sprachlichen sowie fachlichen Unterschiede sollten keineswegs
unterschätzt werden.
Hat man sich jedoch erst einmal auf dem britischen Ärztemarkt etabliert,
stehen einem sowohl in Großbritannien als auch in anderen Ländern alle
medizinischen Türen offen.